Rechte Szene im Ansatz bekämpfen – Anwohnerin: "Ja, wir haben Angst"

Ausstellung im Rathaus eröffnet – Infotafeln sollen aufrütteln und Bürger sensibilisieren
     Von Sandra Sliepen     (BZ-PN vom 21.10.09)

WENDEBURG. Die rechte Szene – wie sie sich in den Alltag schleicht, wie sie Jugendliche beeinflusst und ihre Ideologie verbreitet – darüber klärt eine neue Ausstellung im Wendeburger Rathaus auf, die Montagabend eröffnet wurde.

Ausstellungseröffnung

Bürgermeister Hans Peter Reupert begrüßte im Sitzungssaal rund 80 Gäste, darunter auch Erster Kreisrat Henning Heiß und Peines Polizeichef Thomas Bodendiek. Reupert sagte: "Wir wollen die rechte Szene schon im Ansatz bekämpfen. Wir müssen uns als Gemeinde aber nicht für etwas rechtfertigen. Für uns ist das hier derzeit eine subkulturelle Szene, keine Nazi-Kameradschaft."

Auch Vertreter der neu gegründeten Bürgerinitiative Friedliches Wendeburg waren gekommen. Dr. Erika Prediger-Behrens sagte: "Wir haben hier in Wendeburg eine kleine Zelle, wo sich etwas in die rechtsextreme Richtung entwickelt. Wie wir erfahren haben, beruhigt sich diese Geschichte nicht, sondern zieht ihre Kreise. Deshalb müssen wir hellwach sein." Im Gespräch mit den PN sagte sie: "Ja, wir haben manchmal wirklich Angst."

Gerhard Bücker vom Landespräventionsrat Niedersachsen klärte über die rechte Gruppierung in Wendeburg auf: "Hier handelt es sich um eine Clique. Ein Wendeburger Bürger und Grundstücksbesitzer beherbergt vor allem junge Leute. Seit zweieinhalb Jahren sind sie gemeinsam kontinuierlich aktiv." Er betonte jedoch auch: "Die Menschen, die hier sind, sind zugezogen und keine Wendeburger." Reinhard Koch, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt, hielt im Wendeburger Rathaus einen beeindruckenden Vortrag. "In dieser Szene geht es bunt und vielfältig zu. Es ist ein differenzierter Blick auf die Szene nötig. Solche Erscheinungen gibt es in nahezu jedem Ort."

Er warnte: "Die rechte Szene hat sich modernisiert. Sie dockt ihre politischen Botschaften an jugendkulturelle Stilmittel an." Dabei interessierten sich Jugendliche kaum für politische Gesinnungen. Vielmehr fühlten sie sich von Kameradschaftlichkeit, Freizeitorganisationen oder Konzerten angezogen.

"Es ist eine Parallelwelt entstanden, in die Erwachsene keinen Einblick haben", sagte Koch. Beispiele: Mit normalen Zahlen treiben Neonazis verdeckte Propaganda. 88 steht zum Beispiel für den achten Buchstaben im Alphabet, also für "Heil Hitler", 18 für "Adolf Hitler". Besonders beliebt ist die Kleidungsmarke Consdaple, die das Kürzel NSDAP enthält. Koch: "Auch bestimmte Musikstücke aus der rechten Szene sind durchaus bekannt; auch bei Erwachsenen und Jugendlichen, die nichts mit rechter Gesinnung zu tun haben."

Er betont: "Diese Szene ist zur Alltagskultur geworden und ein sehr gut aufgestellter Gegner." Deshalb sei Kommunikation ein erster Schritt.

Mittwoch, 21.10.2009

Bei der Eröffnungsveranstaltung.

Nach der Eröffnungsveranstaltung sahen sich die Besucher die Ausstellung an.
Nach der Ausstellungseröffnung blieben noch viele Gäste und sahen sich mit großem Interesse die Ausstellung an.